Winter in Kiew

8. Februar 2012 von Christine

Nachdem der Winter lange auf sich warten ließ, ist er seit Mitte Januar nun in der Ukraine angekommen. Selbst in den deutschen Medien wurde in den vergangenen Tagen von der Kältewelle in Osteuropa berichtet und von den bislang rund 135 Menschen, die allein in der Ukraine erfroren. Ende der vergangenen Woche fielen die Temperaturen auf bis zu -23 Grad tagsüber und frostige -28 Grad herrschten in der Nacht. Inzwischen ist es wieder etwas wärmer geworden, heute Morgen zeigte das Thermometer geradezu milde -14 Grad.

Außentemperatur von minus 23 Grad

Äußerst angenehm überrascht waren wir über die schnelle Räumung des Schnees von den Straßen und Bürgersteigen. Von Kollegen erfuhr ich, dass dies in den vergangenen Jahren keinesfalls immer so gut abgelaufen sei wie in diesem Winter. Der aktuelle Bürgermeister Kiews habe angesichts der in diesem Jahr anstehenden Bürgermeisterwahl versprochen, dass er die Schneeräumung diesen Winter besser organisieren wolle und hoffe, sich dadurch die Sympathien der Kiewer und gleichzeitig auch seine Wiederwahl zu sichern. Nach Angaben der kommunalen Behörden rücken täglich über 7000 kommunale Bedienstete mit insgesamt rund 600 Schneeräummaschinen aus, um die Stadt von Schnee und Eis zu befreien. Es werden Lastwagen mit Schnee beladen, um diesen anschließend abzutransportieren, mit Spaten und Hacken rücken die Arbeiter den Eisschichten auf den Gehwegen zu Leibe und Dächer werden von den Schnee- und Eismassen befreit. Dass die Situation bei uns im privilegierten Zentrum der Stadt jedoch besser ist als in den meisten Wohnbezirken auf der anderen Seite des Dnjepr, zeigen die zahlreichen Beschwerden in Zeitungsartikeln und Leserbriefen über die Unfähigkeit der kommunalen Administration, mit dem jedes Jahr wiederkehrenden Schneefall angemessen umzugehen.

Die Bürgersteige zieren nicht selten rot-weiße Bänder, mit deren Hilfe Teile des Gehwegs abgesperrt werden, um die Fußgänger vor den Schnee- und Eismassen zu warnen, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen von den Häuserdächern hinuntergeworfen werden, um die Gebäude zu entlasten. Mit Zetteln wird gar vor Lebensgefahr gewarnt! Da in aller Regel jedoch keine gefährlichen Schneelawinen vom Dach drohen und die Absperrungen so hoch angesetzt sind, dass man als Fußgänger bequem und ohne gr0ßes Bücken darunter hergehen kann, wird diesen Zonen der “Lebensgefahr” nur selten die gewünschte Aufmerksamkeit entgegengebracht.

Absperrung

 

Achtung, Lebensgefahr. Schnee und Eis können vom Dach des Gebäudes fallen.

Der Winter hat jedoch auch seine schönen Seiten. Bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein machen Spaziergänge durch die zahlreichen Parks der Hauptstadt auch bei klirrender Kälte Spaß. Die sanften Hügel unmittelbar in der Nähe des berühmten Kiewer Höhlenklosters verwandelten sich am vergangenen Wochenende zu gut besuchten Rodelpisten, auf denen Kinder und Erwachsene auf Schlitten, Plastiktüten oder auf dem Hosenboden die Hänge hinunter sausten.

Hier noch einige Impressionen unserer Winterspaziergänge.

Kategorie: Alltag

Ein Kommentar bisher ↓

  • Anonymous

    Oh,ja es war schon recht kalt.Aber in Skiklamotten
    und einer gewärmten Stube mit soo freundlichen
    Gastgebern war es sehr gemütlich.
    Liebe Grüße vom Niederrhein

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