Nach dem relativ kurzen aber ungewöhnlich kalten Winter hat vor einigen Tagen das Tauwetter in Kiew eingesetzt. Es tropft nun von überall und die angetauten Schneemassen fallen ohne Vorwarnung von den Dächern und lösen immer wieder rumpelnde und krachende Geräusche in den Häusern aus. Auch wenn inzwischen die Temperaturen im Plusbereich liegen, möchte ich nicht verpassen, etwas verspätet noch von den schönen Wintererlebnissen am zugefrorenen Dnjepr vor zwei Wochen zu berichten.
An einem sonnigen aber eiskalten Samstag fuhren wir mit der Metro bis zur Station Minska und liefen von dort aus etwa einen Kilometer nach Osten in Richtung Dnjepr, wo der Fluss einen kleinen buchtartigen Flussarm bildet. Aufgrund der seit mehreren Wochen im zweistelligen Minusbereich liegenden Temperaturen waren sowohl der Flussarm als auch der Dnjepr nicht nur mit einer dicken Eis- sondern auch einer teilweise noch unberührten Schneeschicht bedeckt. An diesem sonnigen Samstag waren viele Familien mit Schlitten hierher gekommen, um mit den Kindern die Uferböschungen herunter zu rodeln. Auf dem gefrorenen Fluss saßen Eisfischer auf einem Hocker über ihrem ins Eis gebohrten Loch und warteten darauf, dass Fische anbeißen würden. Am Ufer sah man vereinzelt Skifahrer auf ihren hölzernen Langlaufskis entlangfahren und auch einige Schlittschuhläufer machten sich die Mühe, eine Fläche des Eises von den Schneemassen zu befreien, um darauf Schlittschuh fahren zu können. Trotz der eisigen Lufttemperatur hielten wir es dank des angenehmen Sonnenscheins erstaunlich lange draußen aus. Die Atmosphäre an diesem Wintersamstag am Fluss war einfach zu schön, geradezu idyllisch, als dass man schnell wieder nach Hause wollte.
In Ufernähe sahen wir eine hübsche, noch im Bau befindliche Kirche mit goldenen Kuppeln und in einigen Metern Entfernung von dem Gebäude stand unmittelbar am Ufer eine knapp zwei Meter hohe, aus einem Eisblock geschnitzte Figur eines Heiligen, ein großes Kreuz in der Hand haltend. Diese kunstvoll gestaltete Eisfigur erinnerte sehr an das Denkmal des Fürsten Wolodymyr I., das unweit des Stadtzentrums auf einer Anhöhe am Dnjepr-Ufer steht. Fürst Wolodymyr war von 980 bis 1015 Fürst von Kiew und wird auch Wolodymyr der Heilige genannt, da er die Kiewer Rus christianisierte.
Wahrscheinlich wird die Eisfigur abends sogar angestrahlt, denn als wir näher herangingen, um zu fühlen, ob sie auch wirklich aus Eis oder doch aus Plastik war, sahen wir an ihrem hinteren Sockel Kabel und Scheinwerfer. Eigentlich hätten wir nochmals am Abend dort hingehen müssen, um sie bei Dunkelheit beleuchtet zu sehen, aber inzwischen ist sie wohl hoffentlich vor dem Tauwetter in Sicherheit gebracht worden.
Hier noch ein paar Bilder von unserem Spaziergang über den vereisten Dnjepr.









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Viel Glück. Ich gebe euch maximal 2 Jahre in Kiew,
dann habt auch Ihr genug.